August Nitschke: Zeitmuster in der Geschichte [PDF]

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Was interessiert junge Chinesen an Europas Mittelalter?

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Beschreibung

2004
432 Seiten

Textsprache: Deutsch

Historische Untersuchungen weisen zunehmend häufiger auf Parallelitäten zwischen den Handlungsabläufen in Politik, Wirtschaft, Recht und den Bewegungsabläufen in physikalischen Arbeiten, Kunst, Tanz und Sport hin. Diese müssen mit gesellschafts- und epochentypischen Wahrnehmungsweisen zusammenhängen, die nicht aus der „Mentalität“ einer Gesellschaft abzuleiten sind. Jüngste, an biologischen Forschungen orientierte Studien ließen erkennen: Diese Wahrnehmungsweisen gehen auf „Zeiterfahrungen“ zurück, die die Zukunftsvorstellungen einer Gesellschaft prägen. In diesen Erfahrungen werden die Menschen mit Zeitmustern vertraut, die sich von Epoche zu Epoche – und in jeder Kultur anders – nach eigenen Gesetzen wandeln.

Der Autor überprüfte auf Bitten von jungen chinesischen Historikern in der Mandschurei mit diesen anhand von Texten, Kunstwerken und aufgrund von rekonstruierten Bewegungen für das Mittelalter und für das 20. Jahrhundert diese Ergebnisse. Dabei beobachtete er: Die Studenten aus Changchun kennen ihre eigenen Traditionen nicht mehr. Sie haben vom Marxismus nur die Forderung übernommen, dass jedes Ereignis und jede Struktur der Vergangenheit kausal begründet werden muss.

So argumentieren sie unterschiedlich, doch immer leidenschaftlich gegen jede nur beschreibende Geschichtswissenschaft. Die oft sehr kritischen, meist jedoch heiteren Dialoge werden aufgrund schriftlicher Aufzeichnung wiedergegeben. Die Argumente der Studenten, die Kinder von Bauern und von Akademikern sind, werden erst verständlich bei genauerer Kenntnis der Lebensformen einer chinesischen Großstadt.

Die überreichlichen Warenangebote dort, der überraschend rücksichtslose Verkehr, die zahllosen kleinen Restaurants und der tägliche abendliche Tanz auf einer Hauptstraße schaffen, unterstützt von den in der Arbeitswelt lenkend tätigen Frauen, trotz bürokratischer Einengungen, eine Atmosphäre der Arbeitsfreude und eine Aufbruchsbereitschaft, die die historischen Fragestellungen der Studenten beeinflusst. Dies verdeutlichen die alltäglichen Ereignisse, die in recht unbekümmerten und sehr persönlichen Erzählungen mit eingeflochten werden.

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